Haben sie nicht. Beispiel gefällig?
Die Thüringische Landeszeitung informiert uns heute über die Managergehälter - als Quelle wird ein Artikel im Focus angegeben.
Die BILD zieht mit und ruft: „Das verdienen unsere Manager” Dort wird losgelegt mit dem Satz: „Eine neue Umfrage macht deutlich...”
Der Witz bei der ganzen Sache ist: diese Daten sind frei im Internet verfügbar, auf der Seite verguetungsregister.de vom Bundesanzeiger. Also muss man nicht den Focus bemühen, um die Vorstandsgehälter der börsennotierten Unternehmen herauszufinden. Und erst recht muss man keine nicht existente Umfrage erfinden, welche den Artikel noch dazu unfreiwillig komisch macht. Wie stellt die BILD sich das vor? Klingelt ein Reporter der Reihe nach bei Linde, Cordes und Winterkorn um sie dann zu fragen: „Entschuldigung, eine Frage, was verdienen sie so im Jahr? Bitte ehrlich sein!”?
Auch das manager magazin brüstete sich unlängst damit, die Gehälter knallhart analysiert zu haben. Wenn es um den Springer-Chef Döpfner geht werden wieder Wieselwörter bemüht: „Auf etwas mehr als elf Millionen Euro schätzen renommierte Gehaltsexperten Döpfners Gehalt.”. Renommierte Gehaltsexperten, soso. Zwar mogelt sich Springer im Vergütungsregister um genaue Angaben herum (es wird nur ein Gesamtgehalt für den Vorstand angegeben), aber Experten braucht es dazu wahrlich nicht. Der Vorstand, bestehend aus vier Leuten inklusive Döpfner, bezog ein Gehalt von 17,7 Millionen Euro im Jahr 2009. Da Döpfner der Kopf des Quartett Infernale ist, sagt einem der gesunde Menschenverstand wie sein Gehalt etwa aussehen mag. Irgendwas zwischen 10 und 12 Millionen, aber auf jeden Fall zuviel.
Also, Journalisten, Bürger und Politiker: nutzt endlich mal die verdammten Primärquellen! Einerseits ist es interessant, andererseits muss man sich dann die Artikel der Lohnschreiberlinge nicht als "exklusiv" oder als "Umfrage" verkaufen lassen.
Als besonderes Schmankerl noch ein kleiner Auszug aus dem Vergütungsbericht von VW:
Die Bezüge des Vorstands setzen sich aus fixen und variablen Bestandteilen zusammen. Durch die fixen Bestandteile ist einerseits eine Grundvergütung gewährleistet, die es dem einzelnen Vorstandsmitglied gestattet, seine Amtsführung an den wohlverstandenen Interessen des Unternehmens und den Pflichten eines ordentlichen Kaufmanns auszurichten, ohne dabei in Abhängigkeit von lediglich kurzfristigen Erfolgszielen zu geraten.
Also sollen die fixen Bestandteile sicherstellen, dass die Verantwortlichen auch mal an den langfristigen Erfolg des Unternehmens denken. Im Fall von Martin Winterkorn sind das ganze 1,7 von 6.6 Millionen Euro. Na, wenn das kein Anreiz ist!

