Mittwoch, 14. Juli 2010

Hauptschule ist super - Studien des Grauens

Die Allianz AG führt in Kooperation mit der Uni Hohenheim regelmäßig eine sogenannte „Zuversichtsstudie” durch. Diesmal exklusiv unter Schülern. Und das scheint jetzt hohe Wellen zu schlagen: „Mit Abitur lebt es sich zufriedener” tönt da sie SZ. Der Focus gibt sich nicht mit Kleinigkeiten ab und zieht direkt das Fazit „Bessere Bildung, besseres Leben”. Mal sehen, was wir davon zu halten haben:
Erhoben wurden die Daten von insgesamt 1.503 Schülerinnen und Schülern bundesweit zu je gleichen Anteilen aus Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien.
Dies steht in der offiziellen Pressemitteilung. Das bedeutet: von jeder Schulform wurden 1503 / 4 = 375,75 Schüler befragt. Der Einfachheit halber gehen wir mal von 376 aus. Und wenn die SZ jetzt schreibt, dass Hauptschüler sich am besten auf das Leben vorbereitet fühlen, was sagt uns das? Ein Blick in die Pressemitteilung verrät uns folgendes:
Von allen Schülern fühlen sich Hauptschüler (53%) durch die Schule am besten für das weitere Leben gerüstet. Von den Realschülern teilen 50% diese Einschätzung, von den Gesamtschülern 47% und den Gymnasiasten lediglich 45%.
Wer in der Lage ist, einen Taschenrechner zu bedienen, findet schnell die absoluten Zahlen heraus. Von den Hauptschülern fühlen sich also 199 gut vorbereitet und 176 nicht. Von den Realschülern fühlen sich 187 gut vorbereitet und 187 nicht. Ergo: bei der einen Gruppe haben 11 Befragte anders geantwortet. Elf! Da solch hohe Zahlen schwer vorstellbar sind: das entspricht etwa einer Fußballmannschaft.

Aus dieser Studie tatsächliche Schlüsse zu ziehen ist lächerlich, und sie allen Ernstes als „exklusiv” und „repräsentativ” vermarkten zu wollen ist ein Hohn.

Das hält aber anscheinend nicht von Schlagzeilen wie „Deutschlands Schüler verteidigen die Hauptschule” (Welt online) ab.

Merke: aus einer ganz natürlichen statistischen Schwankung von ein paar Schülern bei einer sinnlosen Umfrage werden sehr schnell „Deutschlands Schüler”.

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